Apr 242014
 

Zukunftssalons – Inspirationsräume für eine lebenswerte Zukunft ?
Für viele Menschen wird es immer klarer, das alte Bild der Welt und unser Weltbild wie wir es kannten, beginnt sich aufzulösen. Und mit ihm die kollektive Geschichte auf der unser Leben aufgebaut ist: Die Story eines hautverkapselten, verdichteten, von anderen getrennten Egos, das allein da steht sich beweisen muss, ein Selbstbild aufbaut und sich permanent in eine Welt des „immer weiter, schneller und mehr“ einfügt. Dieser Prozess, der mit Krisen und Umbrüchen im Leben vieler Menschen verbunden ist, können wir uns wie einen Sterbeprozess von einem alten Weltbild, einer alten Lebensform vorstellen.

Und gleichzeitig sind wir Zeuge des Entstehens einer neuen Geschichte, der Geburt eines verbundenen, ko-kreativen, schöpferischen Selbst, dass um eine tiefe Allverbundenheit weiß oder sie erahnt oder Sehnsucht danach hat.

Was kommt zu Ende? Was möchte geboren werden in unserem Leben? – sind Fragen, die uns an diesem Punkt weiterhelfen.
Uns weiter bringt zur Frage nach einem zukunftsfähigen, enkeltauglichen, humanen Leben in dem die Qualität des Daseins nicht primär im maximieren der Eigeninteressen, des Perfektionismus liegt, der Mühle von Sucht nach Intensität und permanenter Übermüdung, sondern gewidmet ist und verbunden ist mit dem Erleben von Verbundenheit, dem Geist der Unterstützung, der Bereitschaft zu erwachen aus der Trance des Nichtgenügens.
Wenn wir schauen, sehen wir das weltweit immer mehr neue Formen, kulturelle und soziale Modelle und Gebilde entstehen, die Träger dieses neuen Geistes sind. Sie zeichnen sich ab in Lebensformen und Initiativen der weltweit aktiven Zivilgesellschaft, auch von kulturkreativen Menschen, die daran entwickeln auf allen Kontinenten und so etwas wie Pioniere dieses neuen Paradigmas sind.

Es ist eine Bewegung des Erwachens, die in der Tiefe von dem Weckruf bewegt ist, dass „wir Menschen der Teil der Natur sind, der dabei ist sich seiner selbst bewusst zu werden“
(Thomas Berry).

Neben den vielfältigen Formen von Netzwerken, Initiativen, die Treibhäuser eines neuen zukunftsfähigen Denkens sind, in dem das Neue bereits erprobt ist, brauchen wir auch neue, dem Alltag nahe Inspirationsfelder und Räume, in denen Menschen einen Platz finden, die sich dieser neuen Erzählung bewusst werden und sich orientieren zu können hinsichtlich einer neuen Lebensausrichtung.

Der neue Spirit einer revolutionären Epoche schuf dazu auch immer schon neue, kulturelle Formen, wie etwa im Frankreich der Revolution die Form des Salons und auch in der Phase des Existentialismus, in denen neue Ideen, Werte, Beziehungsformen und Weltsichten ausgetauscht, diskutiert, erprobt wurden und die als Inkubatoren, als Brutkästen des Neuen eine zentrale Rolle spielten.

Diese Kulturformen waren oft in Zeiten des Umbruchs die Vorboten, die Träger sich entwickelnder, neuer Bewusstseinsformen und Lebensräume. Heute brauchen wir davon mehr denn je, in Gestalt von einer Form von neuen kulturellen Ausdrucksformen, die Kunst, Kreativität, Handlungs- und Beziehungselemente enthalten und die der Schlüssel dafür sind in dieses neue Verständnis von Zukunft hineinzuwachsen von dem wir gesprochen haben: Den Geist der Verbundenheit.

Neue , inspirierende „Prototypen“ sind dabei zu entstehen.Wie neue kulturelle Räume -jemseits von kulturellen oder politischen „Ismen“. Sie verbinden, bauen Brücken,vernetzen und haben das Fluidum eines „Salons“ -nicht als Schicki-Micki event oder fashion-show, oder weiterer, rein zerebraler Think-Tank, sondern als  lustvoller Reflektionsort der Lebensfülle,  des Entwerfens und Konkretisierens von Zukunftsentwürfen für ein gutes Leben.Mit konkreten Geschichten von gelingenden Projekten, dem Offenlegen von unmöglichen Träumen,dem authenischen Reflektieren von Beispielen ,wo gescheitert wurde, und Versuchen, an denen sich jeder beteiligen kann. An seinem Ort, in seiner Region, in seiner Stadt, in der Nachtbarschaft, gerade um die Ecke. Soziale Netzwerke berichten zuhauf von diesen Bewegungen, sei es die community-Garden -Bewegung, die „Soldarische Landwirtschaft“(engl.CSA), die repair-Bewegung,die Gemeinwohlökonomie-Netzwerke, Urbanauten mit ihren neuen medialen flashmob-Aktionen im urbanem Raum, um nur einige zu nennen..alle Teile einer globalen Bewegung, die jenseits der Medien, des politischen Radars sich entwickelt, ausbreitet, lernt…

Dazu nun  könnten  Zukunftssalons kulturelle Inspiration bieten, Räume schaffen, die niederschwellig sind und jedem Menschen ermöglichen teill zu nehmen. In einer Atmosphäre des Salons verbindet sich das Alte mit dem Neuen, wird die Integration von Sein und Genuss ermöglicht, die, Verbindung von Arbeit und Spiel, Freiheit und Beziehung, Forschen und Lieben, von individuellem und kollektiven. Ein Flow in dem Verbundenheit und Sein und Entfaltung und leidenschaftliche Wirkkraft Hand in Hand gehen können. In dem Zukunftsfähiges und uns Begeisterndes angestoßen und auf den Weg gebracht werden kann.

Michael Plesse, März 2014

„Die Zukunftsmöglichkeit liegt in den sozialen Feldern, die es zahlreichen vernetzten Individuen und Gemeinschaften ermöglicht, als kollektive Akteure eines entstehenden Ganzen sehend zu werden und tätig zu werden und durch gemeinsame Prototypen ein Handeln in die Zukunft hinein zu finden.“

Otto Scharmer, Theorie U

Kommentare sind derzeit nicht möglich.